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Tabuthema Führung und mentale Gesundheit

„Führung und mentale Gesundheit“ war das Thema bei der Präsenzveranstaltung der Wirtschaftsjunioren Köln am 17. September in der IHK Köln. Betriebliches Gesundheitsmanagement beschäftigt sich bislang überwiegend mit dem körperlichen Wohlbefinden. Wie aber die steigende Zahl psychischer Erkrankungen zeigt, ist die psychosoziale Gesundheit ebenfalls zunehmend gefährdet.

Rund 50 Gäste konnten vor Ort live dabei sein. Unser Vorstandsmitglied Katharina eröffnete mit ihrer ganz persönlichen Geschichte zu dem Thema die Veranstaltung und führte durch den Abend.

Tim Schuster, Wirtschaftspsychologe und Berater für Unternehmen erläuterte, weshalb die mentale Gesundheit für Unternehmen ein wichtiges Thema ist. Die hohen Krankheitsquoten und langen Ausfälle sind dabei ein wichtiger Punkt, so Schuster, der auch Dozent an der Rheinischen Fachhochschule Köln ist.

Seit 1997 hat sich die Zahl der Fehltage auf Grund von psychischen Belastungen (vor allem Depression und Angststörung) verdreifacht. 16,6 Prozent ist der Anteil psychisch bedingter Krankmeldungen. Erschöpfung, Energiemangel, Schlafstörungen, Selbstzweifel, Rückenschmerzen, Magenprobleme können Symptome sein. Anhand der Fragen: „Was kann ich als Führungskraft für meine psychische Gesundheit tun?“ und „Was können Führungskräfte für die (psychische) Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun“ erläuterte er Beispiele und Möglichkeiten. „Der Führungsstil hat unter Umständen mehr Einfluss auf die Fehlzeiten, als die individuelle Gesundheitssituation der einzelnen Mitarbeiter*innen“.

Mitarbeiter*innen-, Präventions- und Krankenrückkehrgespräche sind nur einige mögliche Maßnahmen. Und auch der Aspekt der gesamten Organisation wurde thematisiert: „Ein Kulturwandel hin zu einer gesunden Organisation mit einem ganzheitlichen Gesundheitsmanagement.“

Babak Rafati, ehemaliger FIFA und Bundesliga-Schiedsrichter berichtete von seinen langjährigen Erfahrungen im Profisport, seinem Karriere-Abstieg bis hin zu seinem Suizidversuch im Jahr 2011. Leistungsdruck und mangelnde Empathie brachten ihn zur Verzweiflung. „Ich wollte doch nur als Mensch behandelt werden“. Er hat am eigenen Leib erfahren, dass eine psychische Krankheit ein schleichender Prozess sein kann. Es war ein steiniger Weg. Gemeinsam mit seiner Frau und einer Therapie hat er es geschafft. „Ich hätte mich viel früher informieren müssen“, sagt er. Heute versucht er Menschen mit seiner Geschichte zu helfen, früher „abzubiegen“, Hilfe anzunehmen, Gefahren zu erkennen und zu handeln. Sein Leitsatz lautet: „Es liegt immer an unserem eigenen Drehbuch und nicht an anderen“. Er appelliert an Selbstführung und orientiert sich an Begriffen wie Balance („bei Problemen gehe ich einen Schritt zurück“), Selbstbestimmung, Achtsamkeit („Was tut mir gut“?), Akzeptanz („Akzeptiere, was ist“), Resilienz und Klarheit in der Kommunikation.  

Franziska Stiegler stellte als Leiterin des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt psyGa vor. Es stellt praxisnahes Wissen aus der Gesundheitsförderung verständlich aufbereitet und vor allem kostenlos zur Verfügung. Gemeinsam mit erfahrenen Kooperationspartnern transportiert psyGA die Angebote direkt an die betriebliche Basis.

„Dreiviertel der Beschäftigten gehe es gut“, so Franziska Stiegler. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass Belastungen am Arbeitsplatz an Relevanz gewinnen wie Studien und aktuelle Ergebnisse belegen.

Sie gab einige Hintergrundinformationen, zum Beispiel, dass seit Ende 2013 das Arbeitsschutzgesetz explizit die Berücksichtigung der psychischen Belastung in der Gefährdungsbeurteilung fordert. Das heißt: Alle Unternehmen und Organisationen müssen auch jene Gefährdungen für ihre Beschäftigten ermitteln, die sich aus der psychischen Belastung bei der Arbeit ergeben.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde neben vielen anderen Themen auch diskutiert, wie wir (junge) Menschen unterstützen können, sich mental für den Arbeitsmarkt zu wappnen. Die Wirtschaftsjunioren Köln als junge Unternehmerinnen und Unternehmer in Führungspositionen sind sich dieser Verantwortung gegenüber Mitarbeiter*innen bewusst und werden das Tabu-Thema auch in Zukunft weiter beleuchten und in die Öffentlichkeit tragen.

Ein besonderes Highlight war die Fotoausstellung des Kölner Fotografen Manfred Jasmund, der Menschen mit Depressionen fotografiert hat und dadurch versucht, die Krankheit verständlicher zu machen.

Ein emotionaler Abend mit vielen Informationen und ganz persönlichen Einblicken in ein Thema was gesellschaftlich und in Unternehmen noch viel zu sehr tabuisiert wird.

Hier ein Zusammenschnitt der Veranstaltung: 

Bildquellen

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