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Ehrbares Unternehmertum

Das Kölner Maritim Hotel wird im April 2017 den Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) ausrichten – und steht deswegen seit Monaten im Fokus diverser Diskussionen. Die Wirtschaftsjunioren Köln (WJK) haben im Maritim Hotel ein Kontingent für die im September 2017 anstehende Bundeskonferenz (#CGN2017) der Wirtschaftsjunioren Deutschland reserviert. Daher entstand die Frage, ob man dem Beispiel anderer Veranstalter folgen und die Reservierungen stornieren sollte.

Die Entscheidung des Maritim Hotels spielte sich auf vielen Ebenen ab: Rechtlich betrachtet hat jede demokratische Partei das Recht auf Versammlung und freie Meinung, so auch die AfD. Auf der moralischen Ebene ist die Situation allerdings nicht mehr so eindeutig: Ein guter Gastgeber sollte alle Kunden gleich und vorurteilslos behandeln, unabhängig der Kultur, Religion oder politischer Meinung. Hier steht aber zudem die Verantwortung des Unternehmers (des Maritim Hotels) gegenüber seinen Mitarbeitenden – ebenso wie gegenüber der Gesellschaft mit ihrer Sorge über den Rechtsruck in Deutschland. Für die WJK kommt die Unvereinbarkeit der eigenen Werte mit der politischen Meinung der AfD hinzu.

Die von vielen Seiten an die Geschäftsleitung des Maritim Hotels gestellte Forderung, den bestehenden Veranstaltungsvertrag aufzulösen, führt die WJK zu der grundsätzlichen Frage, inwiefern ein politisches Statement sich nicht nur gegen den Verursacher (in diesem Fall die AfD), sondern auch gegen das Unternehmen (Maritim Hotel Köln) richten darf, das als Ausrichtungsort mit diesem zusammenarbeitet.

Diese Diskussion verdeutlicht jedoch vor allem die besondere Verantwortung, die jeder Unternehmer innehat. WJK stehen für ehrbares Unternehmertum. Das heißt auch, einen Auftrag abzulehnen, wenn man freiheitlich demokratische Werte bedroht sieht. Das Maritim mag hier den Fehler gemacht haben, die Gesamtsituation nicht ausreichend zu bewerten. Zudem ist es bedauerlich, dass in den typischen Kommunikationskanälen keine Statements zu den demokratischen Grundwerten des Maritims zu finden sind.

Mit einer positiven Fehlerkultur jedoch lernt ein Unternehmen – und diese Chance sollte auch das Maritim erhalten. Wenn dieser Fehler des einen zudem dazu führt, dass die gesamte Unternehmerschaft etwas sensibler mit dem Thema umgeht, ist etwas Gutes daraus entstanden: Eine stärkere, gemeinsame Haltung der Kölner gegen einen Rechtsruck, vor allem aber für freiheitlich demokratische Werte und inhaltliche Debatten.

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