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Mit dem Wassertaxi in die digitale Hauptstadt

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Der Saal prall gefüllt, die Kölner Prominenz gut gelaunt, die Kameras bereit: Der OB-Talk der Kölner Wirtschaftsjunioren und ihren Partnern am 18.08. in der IHK versprach, zum Ereignis zu werden. Allein das Fishbowl-Format sollte den Abend von den üblichen Talk-Runden mit den üblichen Wahlprogramm-Antworten abheben.

Die beiden geladenen Kandidaten, Henriette Reker (parteilos) und Jochen Ott (SPD), wurden zu diversen Themen von je zwei Experten und zwei Gästen, die spontan aus dem Publikum gewählt wurden, befragt. Die Inhalte: Infrastruktur, Arbeitsmarkt, Beruf & Familie, Digitalisierung – und damit vieles, was die Kölner aktuell bewegt.

Ob es den Wähler/-innen bei ihrer Entscheidungsfindung geholfen hat, bleibt jedoch abzuwarten. Denn trotz Fishbowl, Jungunternehmern mit kritischen Fragen, durchaus kontroversen Meinungen und einer rundum gelungenen Veranstaltung: Die Kandidaten ließen sich selten aus ihren Wahlprogramm-Floskeln herauslocken.

Henriette Reker blieb lange Zeit zaghaft: Sie „bedauerte“ vieles und wollte noch viel mehr besser machen, doch es ist halt alles nicht so einfach. Jochen Ott hingegen warf nach jeder Frage sofort mit Zahlen, Fakten und den Fehlern anderer um sich. Fast wie ein Vorzeigeschüler, dessen Arm bei jeder Frage in die Luft schießt. Motiviert, aber auf Dauer nicht unbedingt erfrischend.

Vielen Gästen fehlten konkrete Antworten der beiden Kandidaten zu Maßnahmen und Ideen. So wissen wir noch immer nicht wirklich, ob junge Familien mit Kita-Plätzen und Ganztagsschulen rechnen können, wie Alleinerziehende Wohnung und Betreuung tragen sollen oder wie man ein Wassertaxi nach Frechen bringt. Und wie Köln in der Digitalisierung und im Wettbewerb mit anderen Start-Up-Szene-Städten mithalten kann, wenn die Stadtverwaltung in den 90ern stecken geblieben ist, blieb auch ungeklärt.

In den letzten 20 Minuten haben aber beide Kandidaten noch überrascht: Frau Reker platzierte ein paar Lacher – und sich selbst mit wesentlich konkreteren Aussagen als zu Beginn. Herr Ott hingegen fiel ein wenig aus seiner „Hier, ich! Ich weiß es!“-Pose, als er bei einer sehr konkreten Frage eines Gastes zunächst andeutete, dass der Fragende zum Reker-Wahlkampf-Team gehöre bzw. dieses unterstütze – wow, ein Hauch USA-TV-Duell im IHK-Saal.

Die Kölner Junioren haben ihre Rolle souverän gemeistert. Gleichzeitig haben wir interessante Impulse für zukünftige (ggf. wieder kleinere und intimere) Diskussionen mitgenommen, sodass die Kandidaten noch authentischer erlebt und die für uns relevanten Fragen konkreter gestellt werden können.

Unser Fazit des Abends: Wir haben dem Druck der Kameras und der fast 400 Gäste standgehalten – die Kandidaten jedoch mussten vermehrt auf ihre Plan-Antworten zurückgreifen, um möglichst jeden im Saal zufriedenzustellen. Statt „Butter bei die Fische“ gab es also eher Honig um die bekannten Münder. Auch lecker, aber für die wissensdurstigen Junioren nicht immer befriedigend.

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