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Von Glocken, Kreuzblumen und nicht schwindelfreien Steinmetzen

Wir sehen ihn immerzu, wir kennen und lieben ihn. Unseren Kölner Dom. Seine Gerüste gehören mittlerweile dazu, auch wenn sich so mancher fragt, ob er ihn nicht doch mal ganz ohne erleben wird … Nein, wird er nicht. Denn der Dom lebt und bedarf einer ständigen Pflege. Nach der beeindruckenden Domführung „Von oben” ist das einleuchtend.

Die Führung erlaubte uns überwältigende Aus- und Einblicke, auch in den Alltag der insgesamt 80 Steinmetze und Bildhauer, Glaser, Gerüstbauer und Schlosser. 40.000 m2 Glas, 12.000 m2 Blechdach, zig Tonnen Stein werden hier bearbeitet – und unzählige Gerüste, ohne die kaum etwas möglich wäre. Dass einige der Steinmetze hier oben nicht schwindelfrei sind, wirkt verrückt, wird aber nachvollziehbar, wenn man ihre glänzenden Augen sieht und hört, dass sie den Dom weder vor der Rente zu verlassen gedenken noch gerne in Urlaub fahren: Hier obsiegt die Leidenschaft.

Mit einem wackeligen Gerüstaufzug nach oben gebracht, durchliefen wir den gesamten Dom, vom Dachstuhl über die Glockentürme und engste Wendeltreppen, von der Werkstatt über Emporen im Inneren des Doms und kleine Austritte bis zum Richter-Fenster. Atemberaubend schön. Und ebenso amüsant, sieht man neben den feinen Kreuzblumen auch Fußballer, Funkenmariechen und Ehefrauen, welche die Steinmetze an weniger präsenten Stellen im Laufe der Zeit verewigt haben …

Wir erfuhren viel über Basalt- und Sandstein, über die eigene Wetterstation, die höchste Toilette Kölns, über Gerüste, die auf- und abzubauen mehrere Jahre dauert, über die Ausrichtung des Doms zur Hohenzollernbrücke. Wir durchquerten das riesige Labyrinth aus gelagerten Gerüstteilen, Turmspitzen und Stahl im Dachstuhl, standen 53m über dem Altar, dann noch weiter oben und im Freien am Lieblingsplatz der Touristen für Hochzeitsanträge. Wir bestaunten den „Dicken Pitter” mit seinen 24 Tonnen, seinen neuen Klöppel – und die Tatsache, dass er mehr als fünf Minuten braucht, um schließlich in voller Lautstärke zu ertönen. Für einen gesegneten Schrecken reichten uns schon seine kleinen Kollegen. Es war laut. Sehr laut.

Fast intim erschien einem diese Führung, so nah kam man dem Dom und seinen Helfern. Die 7 Millionen Euro jährlich, die für die Erhaltung unseres größten Schatzes nötig sind (aufgebracht vom Zentral-Dombau-Verein zu Köln, aber auch von Bund, Stadt und Kirche), wirken von oben sehr realistisch. Und notwendig – denn der Kölner Dom lebt und soll dies noch lange tun.

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