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Wahlkampf geht auch anders – zumindest mit den Wirtschaftsjunioren

WJK-Vorsitzender André Häusling sagte es schon vorab: „Wir werden nicht eine von vielen lahmen Politikveranstaltungen starten – da muss Pepp rein, und wir wollen klare Inhalte und echte Auseinandersetzungen.“ Auch dank seiner Leitung hat am 8.5. die Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl genau das erreicht: Es war interessant, es war wichtig – vor allem aber war es unverkrampft und mit Inhalt gefüllt. Der Einstieg mit Häppchen und einem WJK-Kamerateam, das fröhlich durch die Menschengruppen wanderte und erste Vorab-Kommentare einfing, war bereits gesellig und ungezwungen. Und die Einführung von Häusling in die Diskussion nahm diese Stimmung ebenso auf wie Ulf C. Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln: Mit gendergerechten Anreden aller Zuhörerinnen und Zuhörer (inklusive amüsanter Kommentare) und seinen Forderungen an die Politiker nach zeitgerechten Schwerpunkten hat er die fast 50 Anwesenden beschwingt eingestimmt und hellhörig gemacht.

Die vier Politiker (ja, es waren nur Männer) standen Rede und Antwort – auch wenn letztere nicht immer zur gestellten Frage passte. So war es gerade für die Junioren vielsagend, dass zum Thema „digitale Wirtschaft“ nur magere Aussagen getroffen wurden. Bernd Petelkau von der CDU kam diesem Inhalt mit seiner Erwähnung der gamescom noch am nächsten, während Hans Stein von der FDP sich in der Verbesserung des Verkehrssystems verlor, ohne das digitale zu meinen. Der Ausbau eines flächendeckenden WLANs in ganz Köln kam durchaus auf, 18.000km Glasfaserkabel, die Kooperationen mit NetCologne und die personellen Strukturen der Stadt in diesem Bereich auch. Jedoch scheinen zum Beispiel Start-Ups im E-Commerce, die digitalen Möglichkeiten für solche Unternehmen und deren Potentiale für Köln von der kommunalen Politik noch nicht wahrgenommen geschweige denn angemessen einbezogen zu werden. Und das bleibt nicht unbemerkt, wie später von einigen Junioren kritisch zu hören war. Wirklich überrascht war Häusling nach der Diskussion jedoch nicht: „Wir haben hier einen wunden Punkt in der kommunalen Politik getroffen. Die Tragweite und Relevanz der digitalen Wirtschaft muss stärker in den Vordergrund rücken und aktiver gestaltet werden.“ Es ist schließlich kein Zufall, dass die WJK (wie auch die IHK) dieses Thema als Schwerpunkt für das Jahr 2014 gewählt hat: Es ist in der jungen Wirtschaft so aktuell und bedeutend, wie es in der Politik noch verkannt wird.

Auch in den kleinen Runden, welche auf die große Diskussion folgten, wurde kräftig diskutiert: Jochen Ott von der SPD konterte gewohnt forsch, frech und frei und stellte sich wie Jörg Frank von den Grünen als Regierender den Fragen zu aktuellen Problemen. Bei den oppositionellen Parteien schienen die Gespräche zwar harmonischer, aber nicht weniger spannend zu sein – denn bei allen gleichermaßen schwierig war es schließlich, ein Ende zu finden.

Die Veranstaltung hat wieder gezeigt, dass Wirtschaft und Politik Hand in Hand gehen müssen, kritisch und konstruktiv. Ebenso hat sie bewiesen, dass politische Diskussionen weder langatmig noch unverständlich sein müssen und dass sie etwas bewegen können. Nur so werden wir aktuelle Themen wie die digitale Wirtschaft erfolgreich in Angriff nehmen können. Ein Anfang wurde bei der Diskussion gemacht – und beim Kölsch danach noch lange fortgesetzt …

Die Podiumsdiskusion 2014

Marke Köln